
Die Entwicklung des Coaching begann im Grunde, bevor es die Tätigkeit als solche gab: "Coaching" in einem professionelleren Sinne ist ein
vergleichsweise junges Konzept, das sich in den USA als eine Form der zielgerichteten und motivationsorientierten Angestelltenführung bildete.
Im Zeitraum davor verfolgten Unternehmen eine eher funktionale Mitarbeiterpolitik: man beschränkte sich vorrangig auf fachliche Anleitung und
Unterweisung, um einen reibungslosen Arbeitsverlauf sicherzustellen; im heute gebräuchlichen Sinne fand kein Coaching statt, dieses
entwickelte sich erst später.
Ab den 70er bis 80er Jahren wurde diese rein technische Sichtweise abgelöst durch eine, die auch den Mitarbeiter als solchen in den Blick nahm
und mit Coaching-Maßnahmen unterstützte. Mit ursächlich für diesen Einstellungswandel war die Erkenntnis, dass nicht nur der ordnungsgemäße
Ablauf der Arbeitsprozesse, sondern auch der Antrieb des einzelnen Angestellten zur Qualitätssicherung beitrug. Dementsprechend bestand die
Entwicklung dieser Frühform des Coachings darin, es um eine persönlichkeits- und motivationsbezogene Komponente zu ergänzen, um die Leistung
der Mitarbeiter zu verbessern.
Diese Praxis entwickelte sich zum "Führungskräfte-Coaching" ab Mitte der 80er: erfahrene Manager in hohen Positionen "coachten" vielversprechenden
Nachwuchs, um sie so gezielt in ihrem Sinne zu fördern und ihren Aufstieg zu begleiten. Mit diesem Mentor-Mentee-Verhältnis wuchs in dieser
Dekade auch der Stellenwert systemischer Führungskräfte- und Personalentwicklung.
Die Entwicklung des Coaching brachte es naturgemäß mit sich, dass sie über die Vereinigten Staaten hinaus reichte: Mit dem Import nach Deutschland
verlagerte sich diese Form des Coaching, die Beschäftigung mit den innerbetrieblichen Strukturen und Dynamiken von der mittleren auf die obere
Managementebene: Führungsprobleme, Konflikte innerhalb und persönliche Belange der Unternehmensleitung rückten in den Vordergrund. In diesem
Zusammenhang wurde die Rolle des Coachs vorerst ausgelagert und in den Branchen Beratung und Consulting professionalisiert. Auf diesem Weg erfuhr
der neue, exklusive Berufszweig dieser Coachs schnell viel Aufmerksamkeit und machte in Wirtschaftskreisen das Coaching in Form der Nutzbarmachung
von Erkenntnissen über Verhaltens-, Wahrnehmungs- und Kommunikationsmuster populär.
Bald begannen Unternehmen zu Zwecken des Coachings anstatt von oder zusätzlich zu externen Beratern auch auf interne Coachs zurückzugreifen. Diese
Personalentwickler begannen ihre Arbeit auf den unteren und mittleren Hierarchiestufen und entwickelten so im Laufe der Zeit Ansätze, die
Führungskräften systematisches Coaching zur eigenen Personalentwicklung ermöglichen sollten.
In den 90er Jahren sah die Entwicklung des Coaching eine Vertiefung und damit auch weitere Differenzierung und Professionalisierung einzelner
Coachingaspekte. Zusätzlich zum persönlichen Coaching für Führungskräfte und in Konfliktfällen entwickelte sich das Coaching für Teams und das für
Gruppen, in deren Verlauf sich die Teilnehmer gegenseitig beraten und zu einem besser arbeitenden Team entwickeln sollten; zusätzlich das Projektcoaching,
bei denen einzelne Arbeitsvorhaben unterstützend begleitet wurden und - damals wegen der Computerisierung der Arbeitsprozesse besonders bedeutend -
das EDV-Coaching, das den Angestellten die notwendige Medienkompetenz vermitteln sollte.
Mitte bis Ende des Jahrzehnts wurde als Folge der zunehmenden Beliebtheit des Coaching-Begriffs die Bezeichnung popularisiert und zusehends Missbrauch
mit ihr betrieben: dadurch, dass sie nicht rechtlich geschützt war, war es jedem möglich, sich selbst als "Coach" zu bezeichnen. Man profitierte davon,
dass der Begriff des Coachs positiv besetzt war und gab sich den Anschein von Professionalität, ohne dass man verbindliche Qualitätsstandards erfüllen musste.
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