Landsiedel NLP Training
Landsiedel NLP Training


Rechtliche Lage des Coaching - Coaching im Spannungsfeld zwischen Persönlichkeitstraining und gesetzlich geregelten Heilberufen

Die rechtliche Lage des Coaching ist nicht immer vollkommen eindeutig; die Grenzen zwischen vertieftem Persönlichkeitstraining und aktiver Psychotherapie fließend; darum ist es für Coachs wichtig, sich im Klaren zu sein, wie weit sie bei einem Coaching gehen dürfen und welche Techniken und Methoden den heilenden Berufen (Arzt, Heilpraktiker, Psychotherapeut) vorbehalten sind. Übertritte eines Coachs sind auch aus wettbewerbsrechtlicher Perspektive problematisch und können juristische Schritte eines Konkurrenten rechtfertigen.

Überblick über gesetzliche Rahmenbedingungen des Coachings

Psychotherapeutengesetz (PsychThG)
Das Psychotherapeutengesetz schreibt vor, dass die sowohl Berufsbezeichnung des "Psychotherapeuten" als auch "jede mittels wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist" (§1 Abs. 3 Satz 1 Psychotherapeutengesetz) solchen Personen vorbehalten bleibt, die eine bestandene Abschlussprüfung im Studiengang Psychologie und eine mindestens 3jährige Ausbildung im Bereich Psychotherapie nachweisen können. Davon ausgenommen sind solche "psychologische Tätigkeiten, die die Aufarbeitung und Überwindung sozialer Konflikte oder sonstige Zwecke außerhalb der Heilkunde zum Gegenstand haben" (§1 Abs. 3 Satz 3 Psychotherapeutengesetz).
Konkret ist die rechtliche Lage in dieser Situation also wie folgt: der darf Coach nach dem Psychotherapeutengesetz ohne entsprechende Ausbildung keine Trainingsinhalte anbieten, die auf die Diagnose und Behandlung von psychischen Krankheiten und Störungen abzielen. Des Weiteren darf er keine wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischer Maßnahmen (deren Festlegung den jeweiligen Landesbehörden obliegt) anwenden. Die Verwendung von Titeln und Berufsbezeichnung verwenden, die eine abgeschlossene psychotherapeutische Ausbildung oder die Durchführung psychotherapeutischer Behandlungen implizieren, sind ebenfalls untersagt.

Heilpraktikergesetz (HPrG)
Das Heilpraktikergesetz verlangt eine behördliche Erlaubnis für jede Art der "Heilkunde", worunter "jede berufs- oder gewerbsmäßige vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen" zu verstehen ist. Bei Überschneidungen mit dem Psychotherapeutengesetz hat dieses den Vorrang: Nach der behördlichen Praxis dürfen Heilpraktiker, mit Genehmigung für die Psychotherapie im Rahmen der erteilten Heilpraktikererlaubnis alle psychologischen Behandlungsmethoden anwenden, solange sie von der Verordnung verschreibungspflichtiger Medikamente absehen (in der Literatur wird allerdings zum Verzicht auf wissenschaftlich anerkannte Heilmethoden geraten).

Abgesehen davon, dass Behandlungsfehler eines Coachs auch mit Heilpraktikererlaubnis Haftungsansprüche begründen können, ist einem Coach ohne diese Erlaubnis eindeutig untersagt, Trainings anzubieten, die medizinische Fachkenntnisse erfordern, gesundheitsschädigend wirken können oder den Eindruck beim Klienten hervorrufen, der Coach würde eine "Heilbehandlung" durchführen (solche Methoden sind den genannten Heilberufen vorbehalten). Grundsätzlich gilt, je mehr Coaching im Bereich "Gesundheitsförderung" oder "Krankheitsprävention" anstelle von "Heilung" geht, desto unproblematischer ist die Ausübung auch ohne Heilpraktikergewerbeschein.

Sonderfall Legasthenie
Die rechtliche Lage ist nicht vollkommen eindeutig, inwiefern Legastheniebehandlungen unter den Begriff der Heilkunde fallen, wie es das Heilpraktikergesetzes definiert. Aber da für diese Behandlungen vornehmlich Übungen verwendet werden, die keine medizinische Fachkenntnisse verlangen und von denen keine Gesundheitsgefährdung ausgeht, legt der gegenwärtige Stand der Literatur nahe, dass kein Heilpraktikerschein erforderlich ist - im Einzelfall sollte diese Frage jedoch ggf. mit der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde abgestimmt werden.

Verwendung von Berufsbezeichnungen
Unzulässig sind Bezeichnungen wie Psychotherapeut, psychologischer Berater, Spezialist für Psychotherapie/(tiefen)psychologische Techniken, Psychotherapeut (zugelassen nach dem Heilpraktikergesetz) und Heilpraktiker (Psychotherapeut). Zulässig sind Coach, Persönlichkeitstrainer, Lebensberatung, Kommunikationstrainer, Neurolinguistisches Programmieren (NLP), Gestalttherapie und Gesprächstherapie.

Coaching-Inhalte
Unzulässig sind (Ausnahmen für Coachs mit entsprechender Erlaubnis) die Diagnose oder Behandlung von Phobien, Depressionen, Paranoia, Angstzuständen, Magersucht/Bulimie, Suchtkrankheiten (z.B. Alkohol, Drogen), krankhaften Aggressionszuständen und Gewalttätigkeit, Allergien, Traumata, psychosomatischen Leiden und allen in den Aufstellungen DSM 3 und ICD-10 aufgestellten Krankheiten.
Zulässig sind (sofern keine Heilbehandlung nach dem Psychotherapeutengesetz oder dem Heilpraktikergesetz vorliegt) Beratung bezüglich Karriereplanung/-coaching, Bewerbungstraining, Entscheidungstraining bei Alltags- und beruflichen Fragen, (Selbst-)Motivationstraining, Zielfindung/Visionsentwicklung, Entspannungstechniken, Selbstmanagement (Umgang mit Problemen u. unangenehmen Situationen), Kommunikationsverbesserung, Präsentationscoaching, Konfliktmanagement, Führungskräftecoaching, Team-Coaching, Sport-Coaching, allgemeines mentales Training, Selbstmarketing, Flirten, Steigerung des Selbstbewusstseins, Stressbewältigung, Motivationshilfe b ei akuten Krisen (Arbeitsplatzverlust, Trennung, Scheidung, Tod), allgemeine Lebensberatung, Konzentrationsstörungen, Lernschwäche (z.B. Legasthenie), Schlafstörungen, Gesundheitscoaching, Unterstützung bei psychisch belastenden Konflikten und Verwendung von Trance/Hypnose.

Rechtliche Risiken/Sanktionen bei Verstoß gegen die vorgenannten Grundsätze
Überschreitungen des Psychotherapeutengesetzes oder des Heilpraktikergesetzes können eine Untersagungsverfügung durch die Behörden zur Folge haben, vorsätzliche Verstöße stellen zudem eine Straftat dar, die mit Geld- oder Freiheitsstrafen geahndet werden. Irreführende Werbung nach dem Gesetz gegen Unlauteren Wettbewerb (UWG) können Unterlassungsansprüche oder Schadensersatzansprüche von Wettbewerbern zur Folge haben.

Den vollständigen Text finden Sie hier.

Zurück     Weiter

(c) 2003 Stephan Landsiedel — Alle Rechte vorbehalten! — Änderungen vorbehalten! Disclaimer Impressum Sitemap AGB